Training und Spezialisierung – Michael Wiesinger im Interview

Apr 02, 2015
Training und Spezialisierung - Michael Wiesinger im Interview

Michael Wiesinger im Interview

„Training ist komplex und muss deshalb durch Spezialisten mit Hilfe von modernsten Techniken und Methoden durchgeführt werden – das Ausschöpfen aller möglichen Ressourcen erhöht die Chancen erfolgreich spielen zu lassen.“

Einblicke in die Vorstellungen von Training, Mannschaftsgefüge und Führungsstil

Michael Wiesinger hat in seiner Karriere als erfolgreicher Spieler und Trainer schon viel erlebt. Als Spieler u.a. beim FC Bayern oder auch als Bundesligatrainer beim 1.FC Nürnberg hatte er mit allen Facetten des Trainings im Profifussball zu tun. Als Trainer der jungen Generation, setzt der UEFA Pro-Lizenz Inhaber, mit der anerkannten DFB – Ausbildung in Köln auf neueste sport- und trainingswissenschaftliche Erkenntnisse, um seine Mannschaften bestmöglich für Spiele vorzubereiten. Widerstandstraining.com konnte Michael Wiesinger für ein Interview gewinnen.

Im Expertengespräch gibt er uns Einblicke über seine Vorstellungen von Training, Mannschaftsgefüge und Führungsstil und gibt auch zu, dass er auch hart durchgreift, um den Erfolg zu fördern!

Herr Wiesinger, als jahrelanger Fussballprofi haben Sie eine Vielzahl von Trainingseinheiten absolviert – inwiefern spielt für Sie die körperliche Fitness im Profigeschäft eine Rolle?

Aus meiner Sicht ist die Athletik oder auch körperliche Fitness die Grundvoraussetzung, um überhaupt in der Lage zu sein Top-Leistungen abzurufen. Ich bin ein absoluter Freund von gut gestaltetem Training und lege hohen Wert auf eine sehr gute körperliche Leistungsbereitschaft!

Uns ist zu Ohren gekommen, dass sie gerne auch neueste sportwissenschaftliche Erkenntnisse mit in den Trainingsalltag einfliessen lassen – Wie sieht das in der Praxis bei ihnen aus?

Zunächst muss ich sagen, dass ich mir sehr gerne absolute Spezialisten zur Seite hole und ins Training integriere, um so einen Mehrwert für mein Training zu erreichen. Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Koordination sind für mich die Prämissen für ein athletisches und taktisch hochwertiges Fussballspiel. Ich lasse mir gerne Daten und Ergebnisse aus trainingswissenschaftlicher Sicht aufbereiten und versuche diese dann, abgestimmt auf das Team, ins Training und Spiel zu integrieren. Aber auch Trainingstools aus verschiedenen anderen Bereichen finden bei uns Anwendung.

Konzepte variabl anzuwenden ist die Kunst eines Trainers

Im Fussball trifft man derzeit häufig auf den Ausdruck „Konzepttrainer“ – Was denken Sie darüber bzw. sehen Sie sich als ein solcher an?

Grundsätzlich denke ich muss man als Trainer ein Konzept, eine Vision, eine Strategie haben und auch verfolgen. Somit ist es für mich selbsterklärend, dass eigentlich ein jeder Trainer ein Konzept im Kopf hat. Von dem her passt das Wort nicht gänzlich. Zu entscheiden inwiefern ein Konzept angewendet, verfeinert oder abgeändert werden muss, das ist doch die Kunst des Trainers.

Im Fussball bzw. Mannschaftssport wird oft vom „Schleifer“ oder vom „harten Hund“ als Trainer berichtet – wo würden Sie sich ansiedeln?

Ich versuche eine ganz klare und ehrliche Kommunikation mit allen zu führen. Wir sind im Mannschaftsbetrieb, d.h. inkl. Betreuerstab und Funktionsteam tagtäglich ca. 30 Leute zusammen. Da ist Disziplin und Respekt gefordert, sonst funktioniert das nicht. Es gibt klare Regeln, die ich vorgebe, welche bei Missachtung auch von mir sanktioniert werden. Wer mich kennt, der weiss, dass ich auch knallhart durchgreifen kann und dies immer mache, wenn ich merke, dass der Erfolg der Einheit gestört wird! Wir werden am Erfolg gemessen und den will ich als Trainer versuchen zu generieren.

Abschliessend eine weitere Frage zu trainingstechnischen Details – wo denken Sie geht die Reise hin, wo sehen Sie Potentiale im Fussball?

Ich denke, dass die weitere Spezialisierung im Trainerstab voranschreitet und der Cheftrainer eine Art „Supervisor“ von Spezialisten werden wird. Diese werden dem Cheftrainer aus Ihren Bereichen die Daten und Ergebnisse zukommen lassen und auf Basis dessen werden Entscheidungen fundierter und qualitativ hochwertiger getroffen. Wir müssen jedoch genauso aufpassen, dass wir den Sport (Fussball) nicht verkomplizieren. Die Basis und Altbewährtes, was sich als gut erwiesen hat, sollte man genauso beibehalten. Für mich kommt es auf den richtigen Mix der Komponenten an. Man muss aber ganz klar sagen, dass man sich neuesten, guten Erkenntnisse nicht verschliessen darf – für diese moderne Philosophie stehe ich!

Herr Wiesinger, widerstandstraining.com wünscht Ihnen Viel Erfolg weiterhin und Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person Michael Wiesinger

  • Als Spieler u.a. bei 1.FC Nürnberg, FC Bayern München, TSV 1860 München, Wacker Burghausen
  • Karriere als Trainer u.a. bei FC Ingolstadt, 1.FC Nürnberg
  • Als Spieler Champions-League-Sieger (1): 2001; Deutscher Meister (2): 2000, 2001;  DFB-Pokalsieger (1): 2000; Ligapokalsieger (2): 1999, 2000; Bundesliga-Aufstieg (1): 1998; Zweitliga-Aufstieg (1): 1997
  • Als Trainer: Zweitliga-Aufstieg (1): 2010 mit FC Ingolstadt; Bundesliga – 10.Platz mit dem 1.FC Nürnberg 2013

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